Nachhaltigkeit funktioniert viel besser in Kooperationen

Unsere Reise ging weiter mit dem hochsympathischen Geschäftsführer der Buchhandlung Osiander, einer der ältesten und größten Buchhandelsketten Deutschlands



"Unsere Standorte beziehen ihren Strom zum Ökotarif ausschließlich durch die Stadtwerke Tübingen."


Vor 25 Jahren hatte die Buchhandlung Osiander in Tübingen schon mal den Versuch gestartet, die Plastiktüte für 10 Pfennig an die Kunden zu verkaufen, wurden allerdings so von ihren Kunden "abgestraft", dass sie den Versuch damit mehr Umweltbewusstsein zu erzeugen, nach einer Woche wieder aufgegeben hat. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine solche Veränderung der Gewohnheiten war wohl noch nicht vorhanden.


Ganz anders gelang es der Buchhandlung Anfang des Jahres, wo der Einzelhandel in einer freiwilligen Vereinbarung aufgefordert wurde Plastiktüten abzuschaffen, sie radikal aus den Läden zu verbannen. Nun gibt es ausschließlich Papiertüten oder Stofftaschen, in denen die Kunden die Bücher nach Hause tragen können.


Wir machen mit bei Aktionen wie "Better Friday", bei der 10 Cent pro Buch an die Organisation One Earth - One Ocean gehen. https://oneearth-oneocean.com

"Tue Gutes und sprich darüber!" wirft nicht nur gutes Licht auf die Akteur*innen selbst, sondern zeigt auch anderen Unternehmen auf, wie sie für gesellschaftliche Themen Verantwortung übernehmen können.



"Unser größtes Projekt ist wohl der Fahrradkurier, den haben wir schon seit 2007 etabliert"


In Tübingen und Schorndorf ist Osiander eine Kooperation mit Schulen eingegangen, die in den beiden Städten Schülerfirmen gegründet haben. Bei "Greenbooks", so nennen sich diese durch Schüler*innen geführten Unternehmen, liefern Schüler*innen im Stadtbereich zu Fuß oder mit dem Fahrrad den Lesestoff 100% klimaneutral aus. Neben der guten Möglichkeit, sein Taschengeld aufzubessern auch noch ein super Lernfeld für die Jugendlichen, zu verstehen, wie so ein Unternehmen funktioniert hinsichtlich Logistik, Finanzen, Kundenkontakt etc.


Wir finden, das ist eine wunderbare Win-Win-Situation für alle Beteiligten, denn Climate Action braucht Attraktivität!


In anderen Städten, wie Konstanz, gibt es Kooperationen mit professionellen Fahrradkurierdiensten.

Seit 2007 sind 482.944 Pakete von Osiander über Fahrradkuriere verteilt und dadurch runde 250 t an klimaschädlichem CO2 eingespart worden.

Wir wollen auch von ihm wissen, wo er denn noch Hindernisse sieht für ein Umdenken in Richtung mehr Klimaneutralität in seiner Branche.


Gerade wird beispielsweise in der Verlagsbranche über das Einschweißen von Büchern diskutiert. Manche Verlage lassen die Folien um die Bücher weg, die Buchhandlung macht dann jedoch die Erfahrung, dass Kunden auf die Folie um das neue Buch herum bestehen. Sie möchten ein hochästhetisiertes Produkt kaufen und das Gefühl haben, ein ganz persönliches, noch unbenutztes Buch in den Hände zu halten. Auch der sogenannte "Schutzumschlag" sollte keinen Riss haben...klar, wie oft habe ich schon vor der Wahl gestanden, nimmst Du das Buch, durch das sich schon viele durchgeblättert haben oder lieber das jungfräuliche...?


Hier eine gute Idee vom Ullstein Verlag, um nicht ganz auf die Versiegelung verzichten zu müssen



Wer erzeugt denn den "Changedruck" im Buchhandel?


Der Buchbranche ist es ein Anliegen, welchen Fußabdruck sie hinterlässt. Über den Verband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels werden diese Themen seit ein paar Jahren in speziellen Arbeitskreisen diskutiert.


Wo ist noch weiteres Umdenken nötig?


Zum Beispiel drängt Osiander auf einen Zusammenschluss seiner Lieferanten, die ihn in der Nacht beliefern, teilweise aber nur wenige Päckchen dabei haben und trotzdem aus dem jeweiligen Großlager angefahren kommen.


"Wir stellen uns auch die Frage, wie kann man als konkurrierende Firmen zusammenarbeiten und Prozesse bündeln, womit wir nachhaltiger und auch wirtschaftlicher werden können."


"In der Vorbereitung auf die Feier zum 425. Jubiläum von Osiander im nächsten Jahr sind wir auf einen Auspruch meines Vaters gestoßen, der bereits vor 50 Jahren die Frage stellte: Warum können wir, selbst wenn wir Konkurrenzfirmen sind, nicht in viel mehr Bereichen zusammenarbeiten?"

Das scheint uns ein gesellschaftlicher Trend zu sein, Sharing-Konzepte werden immer mehr nachgefragt, gemeinsame Nutzung von Autos und Geräten, die nicht jeder Haushalt besitzen muss.


Für ein solches Unternehmen wie Osiander bedeutet das aber eben auch Abhängigkeit und Verlust an Individualität, wenn es diese Kooperationen mit anderen Firmen der Branche eingeht. Überschaubarkeit der Branche und Vertrauen zu ihren Playern ist dabei von Vorteil. Immerhin gilt es gemeinsam, dem Marktriesen Amazon nicht den Deutschen Buchmarkt zu überlassen.


Unsere Reise in den Buchhandel war äußerst unterhaltsam, lehrreich und hat uns wieder ein Stück in unserem Verständnis weiter gebracht. Danke an Heinrich Riethmüller für die Einblicke in die Klimaaktionen von Osiander!




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